Samstag, 14. November 2015

Ehrengast Indonesien auf der Frankfurter Buchmesse 2015 In die Vielfalt von Kulturen eintauchen (aktualisiert)

Lichtsäulen im Pavillon

Das Land der 17.000 Inseln bot während der Frankfurter Buchmesse 2015 informative, politische und meditativ-kulturelle Einblicke.  Der Pavillon des asiatischen Ehrengastes nahm die Besucher mit auf eine Reise in die Literatur, die Geografie, die Natur und die Religionen Indonesiens.
Vgl. Gastländer der Buchmesse seit 1976
Angesprochen wurden alle Sinne: Das Sehen einer anmutigen Farbenpracht und das Entdecken einer reichen Literaturszene, das Hören fremder Klänge, das Riechen und Tasten an den Gewürztischen oder beim Verkosten besonderer Speisen und Getränke - und das alles in einer Atmosphäre anmutiger Gastfreundschaft. Indonesien mit seinen fast 253 Millionen Einwohnern ist zugleich das Land mit den weltweit meisten Einwohnern islamischen Glaubens, versteht sich jedoch nicht als ein islamisches Land!


Weil sich die indonesischen Islam-Strömungen
überwiegend dialogoffen und eher liberal verstehen,

genießen auch die Minderheitenreligionen
Statistik der Religionen
Islam,  Hinduismus, Buddhismus, Christentum getrennt nach Katholizismus, Protestantismus und Konfuzianismus im Sinne der Staatsdoktrin Pancasila zumindest formal völlige Religionsfreiheit. Es handelt sich um fünf Grundlegungen für eine staatliche Harmonie:
 
1. Das Prinzip der All-Einen Göttlichen Herrschaft
2. Humanismus und internationale Gesinnung
3. Das Festhalten an der nationalen Einheit 
4. Die Demokratie als politische Basis
5. Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit

Die Realität sieht allerdings auch angesichts zunehmender Fundamentalisierungen im Islam oft anders aus. Zugleich muss bedacht werden, dass Indonesien als Vielvölkerstaat ein Schmelztiegel vieler Kulturen ist. Hinzu kommen wirtschaftliche Interessen - etwa auch die Ausbeutung der Bodenschätze und der Abholzung des Regenwaldes, besonders in West-Papua. 


Diskussion: Auf der richtigen Spur?
Bürgerfreiheiten und Demokratie in Indonesien
Die Religionen sind darum nur ein Faktor in einer komplizierten gesellschaftlichen Gemengelage.

Insgesamt ist Indonesiens Geschichte von der niederländischen Kolonial-herrschaft über die Unabhängkeit bis hin zu den gegenwärtigen Auseinandersetzungen um Demokratie und Pressefreiheit auch von vielen dunklen Flecken geprägt.

Es bedarf noch mancher Arbeit, um die Massaker und Gewaltausbrüche seit den 60er Jahren des vorigen  Jahrhunderts aufzuklären und sich gegen islamistische Gewalt zur Wehr zu setzen. Die offenen Diskussionen und Foren mit Schriftstellern und Menschenrechtsaktivisten boten für eine solche Aufarbeitung einen ermutigenden weiteren Schritt.
So bleibt insgesamt ein hoffnungsvolles Bild dieses Landes im Indischen Ozean. Vielleicht ist mancher motiviert, in den facettenreichen Inselstaat zu reisen! Eine der großen Überschriften am Eingang des Pavillons ließ bereits Johann Wolfgang von Goethe zu Worte kommen:     Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen. 
(aus den "Noten und Abgrenzungen zu besserem Verständnis des westöstlichen Divans")
Dieses Wort bewahrheitete sich durch die Begegnung Indonesiens in Frankfurt und besonders beim Eintauchen in die wirklich zauberhafte Atmosphäre im Pavillon des asiatischen Ehrengastes.
Am letzten Tag der Buchmesse fand dort auch die Übergabe der "Gastrolle"
zur Buchmesse 2016 statt.

Bericht in hr-online: hier
Ehrengäste:
Gastrollen-Übergabe von Indonesien 2015
an Flandern & Die Niederlande 2016

Melancholie und große Dankbarkeit über die gelungene Präsentation schwangen mit beim Abschied von Indonesien, aber auch Freude über den neuen Ehrengast:   Flandern & Die Niederlande.

 
Ältere Journal-Berichte über Indonesien 

Literaturhinweise zum Verständnis
religiöser Pluralität und Harmonie in Indonesien 

  • SCHOTT, Christina: Indonesien. Ein Länderporträt. Schriftenreihe, Bd. 1635
    Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) 2015, 220 S., Abb.
    --- Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: hier
  • MINISTRY OF RELIGIOUS AFFAIRS REPUBLIC INDONESIA (ed.):
    Compilation of Rules and Regulations on Religious Harmony.
    Jakarta: Center for Research and Development of Religious Life 2011, XVIII, 314 p.
  • ASRY, M. Yusuf (ed.): Community Build Harmony. Conflict Resolution and peace Building in Ethnoreligious Indonesia.
    Jakarta: Center for Research and Development of Religious Life 2013, LII, 209 p.
  • HAYAT, Bahrul: Managing Religious Plurality.
    Jakarta: Center for Research and Development of Religious Life 2012, X, 244 p.
  • ! R. Michael Feener / David Kloos / Annemarie Samuels (eds.):
    Islam and the Limits of State. Reconfiguration of Practice, Community and Authority
    in Contemporary Aceh
    . Leiden (NL): Brill 2015, XX, 249 pp, 1 illus, 1 map
    .

Bilder aus dem Indonesien-Pavillon


Lichtbuch -Leuchtzeichen im Pavillon



Palmblatt-Manuskript
Gita Sinansaya, 17. Jh.












Zwei Astrologische Kalender 
1. Kürbis mit Batak-Schriftzeichen
2. Batak-Bambus-Kalender
Gewürz-Paradies

 
Darbietung traditioneller Musik
Tänzerinnen in originaler Tracht






 
Indonesisches Schattenspiel
--- Bali - Java - Lombok ---








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