Montag, 14. November 2016

Romain Rolland - Literaturnobelpreisträger im Dienst des Friedens (aktualisiert)

Der Dichter und Musikschriftsteller Romain Rolland (geb. 1866 in Clamecy, gest. 1944 in Vézelay) gehört nicht nur zu den bedeutendsten Literaten Europas. Sein Engagement war zugleich von einer intensiven Multikulturalität und Interreligiosität geprägt.
Bereits mit 11 Jahren fing er an, schriftstellerisch aktiv zu werden. 1880 zog die Familie nach Paris, wo sich Rolland auf das Lehramt als Gymnasiallehrer vorbereitete. Er trat nach bestandenen Prüfungen jedoch den Schuldienst nicht an, sondern unternahm viele Bildungsreisen durch Europa. Die Faszination für Musik und Kultur schlug sich in entsprechenden Schriften über Michelangelo, Scarlatti, Händel und Beethoven nieder - sowie die Fragment gebliebene Lebensbeschreibung über Georges Bizet. Am beeindruckendsen wurde schließlich sein 10bändiger Roman Jean Christophe (1904-1912).

Clamecy: Straße zum Geburtshaus
von Romain Rolland

Als der 1. Weltkrieg begann, war Rolland gerade in der Schweiz und sah mit Entsetzen, wie sich Europa quasi selbst in den Untergang trieb. Neben seinem Engagement beim Roten Kreuz schrieb er im Journal de Genève die berühmt gewordenene Artikelserie 

Au-dessus de la mêlée (1914)

Über dem Schlachtgetümmel.
Rezension von Urs Bitterli in JOURNAL 21
vom 07.12.2013
Deutsche Ausgabe:
Über den Gräben. Aus den Tagebüchern 1914-1919
München: C.H. Beck 2015, 175 S. (mit Leseprobe)


Hier wandte er sich generell gegen den Krieg. In Frankreich angefeindet und in Deutschland verschwiegen - nur von wenigen Intellektuellen wurde er verstanden. Einen bewegenden Friedensaufruf schrieb er an Gerhart Hauptmann.  Zu seinen Freunden gehörte besonders Stefan Zweig, der ebenfalls den Wahnsinn des Krieges geißelte. Der geradezu intime Briefwechsel ist ein herausragendes Freundschaftsbeispiel über Grenzen hinweg. Stefan Zweig hat darüberhinaus eine Biografie über Romain Rolland geschrieben.
Es sei darum auch an den Versuch des Mediziners Georg Friedrich Nicolai (1874-1964) erinnert, den Albert Einstein voll unterstützte: "Aufruf an die Europäer" (1914). Voller Hochachtung schrieb er 1914 einen Brief an Rolland. Zu den Gleichgesinnten gehörte auch Hermann Hesse, den Rolland 2015 in Bern besuchte.
Mehr Infos bei: Siegried Grundmann: UTOPIE kreativ, Nr. 179 (September 2005), S. 834-843
 

Mit dem Erscheinen der Antikriegs-Artikelserie 1915 in Paris als Buch wurden diese Texte schnell international bekannt. Es gab jedoch keine Übersetzung ins Deutsche ...


Rollands pazifistisch geprägte Kritik gegen alle Kriegsparteien machte ihn schließlich zu einem weltbekannten Engagierten in der Versöhnungsarbeit  - gerade auch zwischen Frankreich und Deutschland.

In seiner sozialen Sensibilität stand er der (kommunistischen) Arbeiterbewegung nahe und solidarisierte sich 1935 mit dem inhaftierten
Ernst Thälmann.
1916 erhielt Roman Rolland nachträglich den Literaturnobelpreis für 2015. Das Preisgeld stiftete er dem Roten Kreuz.
Es ist phänomenal, wie dieser Literat mit seiner sanften Kraft des Schreibens diese pazifistische Haltung konsequent beibehielt.
Im Sinne einer universalen Friedensreligiosität sind viele seiner Veröffentlichungen zu verstehen, in denen er das Leben bedeutender -  auch interreligiöser - Brückenbauer   eindrücklich beschrieb. 
Fasziniert von der Spiritualität, der "Seele Indiens", entstanden Essays und Biografien großer indischer Denker. Rolland war nie in Indien, aber es gab intensive Begegnungen in der Schweiz u.a. mit Mahatma Gandhi, Rabindranath Tagore und Javaharlal Nehru. Sie haben zur universalen Weite von Rollands Denken maßgeblich beigetragen.
vgl.  Romain Rolland et l'Inde
(Bericht in SIELEC -Société Internationale d'Étude des Littérature de l'Ère Coloniale)


Die Association Romain Rolland verwaltet nicht nur das literarische Erbe des großen Schriftstellers, sondern hebt immer wieder seine Frieden und Versöhnung stiftende Bedeutung für die Gegenwart heraus. 

Weitere Informationen im Musée d'Art et d'Histoire Romain Rolland in Clamecy: hier
Anfahrt zum Museum (Karte)

 

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