Sonntag, 14. Juli 2019

Romain Rolland - Literaturnobelpreisträger im Dienst des Friedens (aktualisiert)

Der Dichter und Musikschriftsteller Romain Rolland (geb. 1866 in Clamecy, gest. 1944 in Vézelay) gehört nicht nur zu den bedeutendsten Literaten Europas. Sein Engagement war zugleich von einer intensiven Multikulturalität und Interreligiosität geprägt.
Bereits mit 11 Jahren fing er an, schriftstellerisch aktiv zu werden. 1880 zog die Familie nach Paris, wo sich Rolland auf das Lehramt als Gymnasiallehrer vorbereitete. Er trat nach bestandenen Prüfungen jedoch den Schuldienst nicht an, sondern unternahm viele Bildungsreisen durch Europa. Die Faszination für Musik und Kultur schlug sich in entsprechenden Schriften über Michelangelo, Scarlatti, Händel und Beethoven nieder - sowie die Fragment gebliebene Lebensbeschreibung über Georges Bizet. Am beeindruckendsen wurde schließlich sein 10bändiger Roman Jean Christophe (1904-1912).

Clamecy: Straße zum Geburtshaus von Romain Rolland

Als der 1. Weltkrieg begann, war Rolland gerade in der Schweiz und sah mit Entsetzen, wie sich Europa quasi selbst in den Untergang trieb. Neben seinem Engagement beim Roten Kreuz schrieb er im Journal de Genève die berühmt gewordene Artikelserie. 

Au-dessus
de la mêlée
(1914)

Über dem Schlachtgetümmel

Rezension von Urs Bitterli
in JOURNAL 21

vom 07.12.2013
Deutsche Ausgabe:
München: C.H. Beck 2015, 175 S.
(mit Leseprobe)
Zur deutschen Gesamtausgabe der Tagebücher aus den Kriegsjahren
1914-1919 vgl.: Erich Köhler: Das Gewissen der Welt.
Zu Aufzeichnungen und Dokumenten Romain Rollands (Die ZEIT Nr. 19, 12.05.1955)

Hier wandte er sich generell gegen den Krieg. In Frankreich angefeindet und in Deutschland verschwiegen - nur von wenigen Intellektuellen wurde er verstanden. Einen bewegenden Friedensaufruf schrieb er an Gerhart Hauptmann.  Zu seinen Freunden gehörte besonders Stefan Zweig, der ebenfalls den Wahnsinn des Krieges geißelte. Der geradezu intime Briefwechsel ist ein herausragendes Freundschaftsbeispiel über Grenzen hinweg. Stefan Zweig hat darüberhinaus eine Biografie über Romain Rolland geschrieben.

Es sei darum auch an den Versuch des Mediziners Georg Friedrich Nicolai (1874-1964) erinnert, den Albert Einstein voll unterstützte: "Aufruf an die Europäer" (1914). Voller Hochachtung schrieb er 1914 einen Brief an Rolland. Zu den Gleichgesinnten gehörte auch Hermann Hesse, den Rolland 2015 in Bern besuchte.
Mehr Infos bei: Siegried Grundmann: UTOPIE kreativ, Nr. 179 (September 2005), S. 834-843
 

Mit dem Erscheinen der Antikriegs-Artikelserie 1915 in Paris als Buch wurden diese Texte schnell international bekannt. Es gab jedoch keine Übersetzung ins Deutsche ...

Rollands pazifistisch geprägte Kritik
gegen alle Kriegsparteien machte ihn schließlich zu einem weltbekannten Engagierten in der Versöhnungsarbeit  - gerade auch zwischen Frankreich und Deutschland.


In seiner sozialen Sensibilität stand er der (kommunistischen) Arbeiterbewegung nahe und solidarisierte sich 1935 mit dem inhaftierten
Ernst Thälmann.
1916 erhielt Roman Rolland nachträglich den Literaturnobelpreis für 2015. Das Preisgeld stiftete er dem Roten Kreuz.
Es ist phänomenal, wie dieser Literat mit seiner sanften Kraft des Schreibens diese pazifistische Haltung konsequent beibehielt.
Im Sinne einer universalen Friedensreligiosität sind viele seiner Veröffentlichungen zu verstehen, in denen er das Leben bedeutender -  auch interreligiöser - Brückenbauer   eindrücklich beschrieb. 
Fasziniert von der Spiritualität, der "Seele Indiens", entstanden Essays und Biografien großer indischer Denker. Rolland war nie in Indien, aber es gab intensive Begegnungen in der Schweiz u.a. mit Mahatma Gandhi, Rabindranath Tagore und Javaharlal Nehru. Sie haben zur universalen Weite von Rollands Denken maßgeblich beigetragen.
vgl.  Romain Rolland et l'Inde
(Bericht in SIELEC -Société Internationale d'Étude des Littérature de l'Ère Coloniale)



Die Association Romain Rolland verwaltet nicht nur das literarische Erbe des großen Schriftstellers, sondern hebt immer wieder seine Frieden und Versöhnung stiftende Bedeutung für die Gegenwart heraus. 

Weitere Informationen im Musée d'Art et d'Histoire Romain Rolland in Clamecy: hier
--- Anfahrt zum Museum (Karte)

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts polarisierte sich die politische Entwicklung Europas. Das hing auch damit zusammen, dass die politische Entwicklung (inzwischen)  von nicht wenigen sehr kritisch betrachtet wurde.
Trotz dieser unterschiedlichen Einschätzungen entschlossen sich auf Veranlassung von
Romain Rolland und 
Henri Barbusse Intellektuelle aus verschiedenen Ländern, einen Weltkongress gegen den imperialistischen Krieg einzuberufen, der vom 27.-29. August  1932 in Amsterdam stattfand (vgl. das dort verabschiedete Manifest).
An diesem Kongress nahmen berühmte Persönlichkeiten teil, überwiegend aus der Literatur und Kunst, auf, z.B. Theodore Dreiser (USA), Upton Sinclair (USA), John Dos Passos (USA), George Santanyana (Spanien),  Ramón María del Valle-Inclán (Spanien), Maxim Gorki (Sowjetunion), Heinrich Mann (Deutschland), Albert Einstein (Deutschland), Henri Barbusse (Frankreich) und Frans Masereel (Belgien) mit Brief an Georg Reinhart vom 06.06.1932.

Das Gewissen  Europas. Tagebuch der Kriegsjahre 1914-1918
zuerst erschienen:
Journal des années de guerre, 1914-1919. Paris:  Albin Michel, 1952


 CC

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