Dienstag, 18. Dezember 2018

Die langen Schatten des Kolonialismus - Über die Zusammenhänge von Raubkunst und Migration



Nofretete-Büste - Neues Museum, Berlin
(Wikipedia)
 Bereits um Nofretete gab es Streit
(vgl. WELT online, 05.12.2012 mit Fotos)
Am 10. Dezember 2018 haben
im Rahmen der UN-Konferenz in Marrakesch 164 Staaten
den heftig umstrittenen 

UN-Migrationspakt
 
offiziell verabschiedet.
Es ist das erste Abkommen, das globale Richtlinien für die internationale Migrationspolitik festlegt. An den Verhandlungen über den Pakt waren insgesamt 192 Staaten beteiligt. Man sieht: Nicht alle stellten sich letztendlich hinter die Leitlinien. 28 Länder - darunter die USA, Österreich und Ungarn - lehnten den Vertrag ab. 
Emmanuel Macrons Gutachterin zu Fragen von Kunst aus der Kolonialzeit in französischen bzw. europäischen Museen, die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und der senegalesische -Wirtschaftswissenschaftler Felwine Sarr, empfehlen Folgendes:
Praktisch alle aus der Kolonialzeit stammenden Kunstwerke in Frankreich sollten an die Herkunftsländer zurückgegeben werden. Die kolonialen Kunstobjekte des afrikanischen Kulturerbes in Europa sind wesentlicher Zeil der Geschichte, der Traditionen und der Identität der betroffenen Völker.

Damit muss sich auch das neu eröffnete Afrikamuseum im belgischen Tervuren auseinandersetzen, das mit seiner neuen Ausstellung die eigene Kolonialgeschichte kritisch beleuchten will. Denn die Geschichte Belgiens im Kongo hat furchtbare Wunden geschlagen. Die Demokratische Republik Kongo hat gefordert, die aufbewahrten kongolesischen Sammlungen an den Diktator Joseph Kabila zurückzugeben, um mit der Sammlung die Freiheit und die Befreiung Kongos zu feiern.
Mehr zur Debatte im Deutschlandfunk, 08.12.2018: hier
Auch in Deutschland stammt ein Großteil der Objekte, die  für das neue
Humboldt-Forum 
im rekonstruierten Berliner Schloss vorgesehen sind, 
aus der Kolonialzeit.
Mehr dazu im Tagesspiegel - bereits vom 15.02.2018:
Koloniale Raubkunst:
Berlins verfluchte Schätze
 

Humboldt-Forum (Ausschnitt),
Bauzustand Dezember 2018
Tausende und abertausende Objekte sind nämlich von dieser Provenienzforschung betroffen. Das ist um ein Vielfaches mehr als die Fälle von NS-Raubkunst. Diese Kunstwerke erzählen die deutsche Kolonialgeschichte als eine Geschichte, die uns bis heute auf schmerzliche Weise mit diesen Ländern verbindet und zugleich den Einfluss afrikanischer Kultur auf die europäische Kunst zeigt.

Zur aktuellen Debatte um koloniale Raubkunst und Migration sei noch angemerkt: Achille Mbembe, der an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg lehrende Politikwissenschaftler, gilt als wichtigster Theoretiker des Postkolonialismus.  Er fordert, die in Europa befindlichen Museums-Objekte aus der Kolonialzeit nicht getrennt von den afrikanischen Flüchtlingen der Gegenwart zu betrachten. Es besteht nämlich eine Verbindung zwischen der Rückgabe von Objekten an die Herkunfts-Communities etwa in Afrika und der Rücksendung von Asylbewerbern in teilweise dieselben Länder. Darüber müsste noch viel intensiver nachgedacht und zukunftsweisend gehandelt werden. (IRB)

Prof. Dr. Eckhard Freyer, Bonn

Redaktion - InterReligiöse Bibliothek (IRB)
CC 

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