Samstag, 18. April 2015

Jacques Waardenburg (gest. 8. April 2015) - Die Weisheit der Religionen verdeutlichen

Der Niederländer Jacques Waardenburg (geb. 15. März 1930 in Haarlem, gest. 8. April 2015 in Utrecht) gehört zu den bedeutendsten Religionswissenschaftlern der Gegenwart. Er war jedoch zugleich Theologe, Islamwissenschaftler und Religionsphänomenologe.
In seinem Leben hat er wesentliche Beiträge zum Verstehen der anderen Religionen geleistet, besonders  im Blick auf das Verhältnis von Islam und Christentum bzw. Orient und Okzident.

Nach ausführlichen Studien in Amsterdam, Leiden und Paris (von 1949 bis zur Promotion 1961) arbeitete er von 1962-1963 im Nahen Osten. Danach lehrte an den Universitäten in Montreal (McGill University) und Los Angeles (UCLA). Von 1968 an war Waardenburg Professor für Islamwissenschaften und Religionsphänomenologie an der Universität Utrecht, bis er 1987 an die Religionswissenschaftliche Fakultät der Universität Lausanne berufen wurde. Nach seiner Emeritierung 1995 lebte er dort weiterhin mit seiner Familie. Er erhielt die Ehrendoktorwürden der Universität Helsinki (1991), der Universität Montreal (2006) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena (2009).


In der Festschrift für Udo Tworuschka zum 60. Geburtstag  hat er als Wissenschaftler seinen beeindruckenden Lebenslauf dargestellt: "Ein fliegender Holländer". Dort hat er auch sein eminent dialogisches Anliegen präzise zur Sprache gebracht: 

"Wie im Fall einer verabsolutierten Theologie, entsteht auch Verwirrung, wenn eine religionswissenschaftliche Theorie verabsolutiert wird. Ich kämpfe gegen jede Absolutierung, d.h. Ideologisierung einer bestimmten Theologie oder Theorie. Jede Ideologisierung führt zu Missverständnissen und damit wird leider eine bestimmte Art von Dummheit gefördert. Wo aber religionswissenschaftliches Denken verabsolutiert wird, entsteht Verwirrung, genauso wie im Fall eines verabsolutierten theologischen Denkens" (aaO S. 661f).

Waardenburg gehört maßgeblich zu den Vordenkern für eine Religionswissenschaft, die Theorie und Praxis der Religionen miteinander verbindet und damit die Religionswissenschaft aus der Gefahr problematischer "Objektivierung" befreit ("Neustil-Phänomenologie" / "Praktische Religionswissenschaft").
Vgl. Johann Figl: Handbuch Religionswissenschaft (2003) - Textauszug: hier  (S. 25-32)

Als sorgfältig arbeitender Wissenschaftler veröffentlichte er eine große Zahl von Büchern und Fachartikeln. Er hat dies immer wieder in einer gut lesbaren und leicht verständlichen Sprache ausgedrückt.
Obwohl international renommiert, ist er in Deutschland über die Fachkreise hinaus wenig bekannt geworden.
Von seinen Veröffentlichungen sind nur wenige auf Deutsch erschienen und derzeit auch nur antiquarisch erhältlich.

Verlagsankündigung zum Buch:
Muslims and Others. Relations in Context. Series: Religion and readson, Vol 41 (General Editor: Jacques Waardenburg). Berlin/New York: De Gruyter 2003, 519 S., Index








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