Donnerstag, 28. August 2014

Ein Ort, um den Frieden zu lernen: "Centre Mondial de la Paix" in Verdun

Der Norden Frankreichs und besonders die Region an der Maas mit der Stadt Verdun ist im 1. Weltkrieg von mörderischen Kämpfen heimgesucht worden, die Millionen Menschen das Leben kostete. Die vielen Kriegsgräber in der Umgebung von Verdun und besonders die Gedenkstätte Douaumont mit dem Beinhaus von 130.000 Gefallenen zeigen die geradezu wahnsinnige Dimension des Ersten Weltkriegs,  der etwa 17 Millionen Menschen das Leben kostete. Allein in und um Verdun starben 300.000 Menschen, und 400.000 wurden verwundet. Solche Zahlen wurden leider noch übertroffen von den sinnlosen Leiden und Opfern des Zweiten Weltkriegs mit insgesamt 60-70 Millionen Toten.
Die Stadt Verdun hat aus ihrer Leidengeschichte eine friedenspädagogische Konsequenz gezogen. Seit  1994 beherbergt sie im ehemaligen Bischofspalast, unmittelbar neben der Kathedrale, das Centre Mondial de la Paix, des libertés et des Droits de l'Homme. Es ist ein globales Friedenszentrum, in dem besonders an die menschliche Freiheit und Würde sowie an die Durchsetzung der Menschenrechte erinnert wird. Das geschieht kontinuierlich durch Begegnungen, Workshops und Ausstellungen. Sie sollen aufrütteln, damit Menschen sich für den Frieden politisch und persönlich engagieren. Im Garten hinter dem Palast findet man darum Schautafeln von Personen, die sich besonders für die menschliche Freiheit und gegen Unterdrückung eingesetzt haben, u.a.: Simone Veil (geb. 1927, für die Frauen-Emanzipation), Nelson Mandela (1928-2013, gegen Apartheid und Rassismus), Elie Wiesel (geb. 1928, Überlebender des Holocaust), Victor Schoelcher (1804-1893, für die Abschaffung der Sklaverei).

Das Jahr 2014 hat durch den Beginn des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren und des 2. Weltkriegs vor 75 Jahren eine besondere Erinnerungskraft bekommen. Dem trägt die temporäre Ausstellung (bis Nov. 2014) Rechnung: Was bleibt vom Ersten Weltkrieg? Technologien, Medizin, Gesellschaft ... Was der 1. Weltkrieg alles verändert hat.
Hier gelingt es,  in mehreren thematischen Räumen zu zeigen, wie es Menschen ergangen ist:
  • Wie eine ganze Generation zerstört wurde.
  • Wie das Soldatsein im Alltag keine Heldenromantik zulässt.
  • Wie Kinder im Krieg leiden mussten.
  • Wie sich eine ganze Gesellschaft angesichts von tausendfachem Tod und Leid
    plötzlich neu organisieren musste.
  • Wie die Wirtschaft dem Krieg diente und immer tödlichere Waffen erfunden hat.
  • Wie Künstler versuchten, das kaum Aussprechbare in Wort und Bild zu fassen.
  • Wie Verdun zum dauerhaften Symbol der Kriegserinnerung wurde
    - um des Friedens willen!
  • Aber! Der Frieden nach dem 1. Weltkrieg wurde zur Vorstufe für den 2. Weltkrieg.

Verdun gehört in die Reihe der Städte, die durch die Art ihrer Erinnerung an die beiden Weltkriege zu Symbolen internationaler Versöhnungsarbeit geworden sind: Hiroshima und Nagasaki, Coventry und Dresden.

Perversion: Kriegsanleihe




Deutsche Gasgranate des 1. Weltkriegs
- in ihrer Gefährlichkeit nicht erkennbar


Aus der Munition eine Blüte schaffen








 Gärten des Friedens am ehemaligen Bischofspalast




Symbol der Friedenstaube: Die Flügel als sich reichende Hände




Originales Stück der Berliner Mauer





Im Geiste der Menschen entstehen Kriege,
im Geiste der Menschen
muss die Verteidigung des Friedens erwachsen.




Keramik-Helme, die den Himmel in sich tragen -
aus der Ausstellung im Garten 2008








DOUAUMONT - Erinnerung an den 1. Weltkrieg
Im Beinhaus die Namen von 130.000 nicht mehr identifizierbaren Toten
Auf dem Gräberfeld 15.000 Gefallene


Im Garten des Friedenszentrums von Verdun erinnert eine Bodenskulptur der Friedenstaube daran, dass Versöhnung über alle Feindschaft hinweg möglich ist. Und die temporäre Ausstellung über die Mauer in Berlin ist (bis Nov. 2014) zugleich ein Hoffnungselement. Es zeigt, dass die Erlangung von Freiheit und Menschenwürde auch auf friedlichem Weg möglich ist. Das ist angesichts der die Welt überziehenden Gewalteskalationen gerade jetzt eine dringende Mahnung für uns alle.
Das Friedenszentrum symbolisiert eine Vision, wie sie schon der Prophet Jesaja im 8. Jh. v. Chr. erhoffte:
"Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen
 und ihre Lanzen zu Sicheln machen. 
Denn es wird kein Volk mehr sich gegen das andere erheben. 
Und sie werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen" (Jes 2,4) 


UND:     WAS TUN WIR ?



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