Mittwoch, 22. März 2017

Noruz / Now-Ruz / Naw-Rúz - 2017 - Frühlingsfest im iranischen Kulturraum und Neujahr in der Baha'i-Religion (aktualisiert)

Der Kampf zwischen Stier (Symbol für die Erde)
und Löwe
(Symbol für die Sonne)
als Sinnbild des zoroastrischen
Noruz (aus Persepolis
, Iran)
(Wikipedia - Nouruz)

Das Naw-Rúz-Fest (auch Noruz, Nouruz oder Nowruz) hat religionsgeschichtlich seine Wurzeln in den altiranischen Religionen, besonders im Zoroastrismus.
Es ist damit über 2500 Jahre alt.


Noruz wird als "Persisches Neujahrsfest" im gesamten iranischen Kulturraum
begangen. Es ist zugleich eine feierliche Begrüßung des Frühlings.
 Auch in den kurdischen Siedlungsgebieten spielt es eine große Rolle.
 Insgesamt wird Noruz in Zentralasien, im Kaukasus, auf dem Balkan,
in der Schwarzmeer-Region und im Nahen Osten gefeiert -
und natürlich von Iranern überall auf der Welt.

Symbol der Baha'i-Religion

Bei den Baha'i-Gläubigen wird nach einer 19tägigen Fastenzeit  der Neujahrstag Naw-Rúz
(no Rúz = neuer Tag ) immer am 20. oder 21. März als feststehender Termin gefeiert.
Mehr zum Baha'i-Kalender: hier

 


Ein besonders schöner mittelöstlicher Brauch
ist die spezielle Speise für Noruz,

genannt Haft-Sin oder die Sieben S:
Haft-Sin-Tisch (engl. Wikipedia)
Es handelt sich um ein spezielles Arrangement
mit 7 Speisen.
Sie beginnen alle mit dem Buchstaben s (sin = س ) nach dem persischen Alphabet .


Ein Haft-Sin-Tisch enthält folgende Zutaten,
die Folgende Elemente symbolisieren:
  1. Der Spiegel der Himmel
  2. Der Apfel =  die Erde
  3. Die Kerzen = das Feuer
  4. Das Rosenwasser (Golab) = das Wasser
  5. Weizen oder Gerste (Sabzeh) = Pflanzen
  6. Der Goldfisch steht für die Tiere
  7. Die bemalten Eier zeigen den Menschen
    und die Fruchtbarkeit der Erde an.

Noruz-Fest im West-östlichen Divan Iserlohn
Da es sich bei Noruz um ein altes Frühlingsfest handelt, mischen sich hier religiöse und volkskundliche Bezüge aus dem mittelöstlichen Raum.
Im dialogischen Kontext ist zu beachten, dass die Schia der Baha'i-Religion z.T. sehr kritisch gegenübersteht und im derzeitigen Iran die Baha'i-Gläubigen Verfolgungen ausgesetzt sind.
Da auch im Westen gern an den Beginn des Frühlings erinnert wird, bietet sich eine kulturverbindende Vermittlung mit den iranischen Traditionen und der Baha'i-Religion an.

Bericht in Qantara.de (21.03.14) zu Noruz
Weitere Informationen: Beschreibung der Feste von 12 Religionen





Freitag, 10. März 2017

Hinduistische Frühlingsfeste 2017: Vasant Panjami und Holi - Fest der Farben

Farben für Holi, Markt in Mysore
(Wikipedia)
Während in Deutschland noch winterliche Temperaturen herrschen, beginnen in Indien die ersten Frühlingsfeste, die in vielfältiger Weise mit den Symbolen von Licht und Farbe gefeiert werden.

1. Am bedeutendsten ist Holi.
Das Fest bezieht sich auf die 
Kindheits- Jugendgeschichten des Gottes Krishna.Hier spritzt man sich besonders gern an -  mit Wasser als Symbol der Lebenskraft und mit bunten Farben als Zeichen des Lichts. 
Dieses Fest kann bis zu 10 Tagen gefeiert werden, überwiegend in Nordindien. Und wie bei allen indischen Festen üblich sind Tempelgottesdienste und Prozessionen, die Tausende auf die Straßen bringen, an der Tagesordnung.
Holi beginnt mit dem Vollmond, und wird am 12./13. März 2017 gefeiert.


Die Geschichte zu Holi
Bei "Holi" geht es darum, dass ein Königssohn von seinem egoistisch-machtsüchtigen Vater bedroht und fast zu Tode gebracht wurde. Die Schwester des Königssohnes, Holi, war Feuer resistent, nicht jedoch ihr Bruder, der dennoch auf dem Scheiterhaufen nicht verbrannte.
Man versteht: Holi ist ein vom Feuer geprägtes Lichtfest, in dem der Sieg des Guten über das Böse gefeiert wird.


2Vasant Panchami, auch: Saraswati Puja liegt zeitlich vor Holi. Dieses Fest ist mehr im Osten Indiens zu Hause und wird auch schon im  Januar gefeiert.
Hier steht die Göttin Saraswati im Mittelpunkt. Sie verkörpert Weisheit und Wissen bringt aus dem Wasser neue Lebenskraft hervor.
Weiteres zu Vasant Panjami (2017): hier 

Zur Orientierung:
Schaubild wichtiger Götter und Göttinnen im Hinduismus

Purim 2017 - ein Fest ausgelassener Freude

Esther-Mausoleum, Iran (Wikipedia)
Das fröhlich gefeierte Purimfest erinnert an Ereignisse in der antiken Perserzeit. Es ist die Geschichte der Esther (Ester), der es gelang, eine geplante Judenverfolgung durch Haman, den obersten Regierungsbeamten des persischen Königs  zu verhindern.

Historisch gesehen, ist das Buch Esther  vermutlich im 3. Jahrhundert v. Chr., also in der Zeit nach Alexander d. Gr. entstanden.
Die biblische Geschichte selbst bezieht sich jedoch legendarisch auf das
5. Jahrhundert v. Chr., in der  Esther als Ehefrau  des persischen Großkönigs Xerxes I. (griechisch: Ahasverus, um 519 - 465 v. Chr.) dargestellt wird.



Es gibt eine Verpflichtung, dieses Fest zu begehen:
Mehr zu Purim beim Zentralrat der Juden: hier  

Kindgerechte Erklärung zu Purim / Fest der Lose: hier


Im Gottesdienst wird aus dem Buch Esther gelesen. Jedesmal, wenn der Name Haman erwähnt wird, dürfen die Kinder mit Rasseln und Ratschen Lärm machen. Da man nach der Überlieferung essen, trinken und lustig sein soll, gibt es am Purimfest neben einem  besonderen Essen viele regional unterschiedliche Bräuche, die besonders Kinder mit karnevalistischen Umtrieben feiern.

Im Jahr 2017 findet Purim am 12. März statt.

Mehr zu Purim beim Zentralrat der Juden: hier 

ÖRK/WCC tief beunruhigt über Einreiseverbote Israels

World Council of Churches

A worldwide fellowship of churches seeking unity,
a common witness and Christian service

WCC gravely concerned over Israel’s travel ban

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist zutiefst beunruhigt über ein neues Gesetz,
das die Knesseth beschlossen hat: Einreisevisa werden Ausländern nicht mehr erteilt, die einen ökonomischen, kulturellen oder akademischen Boykott Israels oder der israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten unterstützen. 
Das Problem:
Das Gesetz macht offensichtlich keinen Unterschied zwischen einem generellen Boykott Israels und Produkten der Siedlungen. Diese Siedlungen werden weitgehend nach internationalem Recht als illegal angesehen. 

WCC gravely concerned over Israel’s travel ban
Church in Bethlehem. ©Albin Hillert/WCC

Mar 09, 2017
The World Council of Churches (WCC) today expressed grave concern about a new law passed on Monday by the Knesset which reportedly forbids granting entry visas to foreign nationals who call for economic, cultural or academic boycotts of either Israel or the Israeli settlements in the occupied Palestinian territories. The ‘Entry to Israel Act (Denial of Visa to Non-Residents Who Knowingly Call for a Boycott on Israel)’ apparently makes no distinction between boycotting Israel proper and boycotting products of the settlements, which are widely considered illegal under international law.
“If reports of its content and intent are correct, this law is a shockingly regressive law,” said WCC general secretary Rev. Dr Olav Fykse Tveit. “It would be a clear violation of freedom of expression, that is critical for those who want to visit Israel, for those who have to live under the occupation, and for those who want access to the Palestinian territories. It is also a significant violation of freedom of religion. It is precisely because of our Christian principles and teachings that we in the World Council of Churches find the purchase and consumption of goods produced in Israeli settlements in the occupied territories immoral, and it is for the same reason many churches and Christians around the world choose to divest from companies that profit from the illegal occupation.”
Tveit observed that, if strictly applied according to its reported terms, “this new legislation would have the effect of barring representatives of many churches around the world from entering Israel, from accompanying sister churches and fellow Christians in the region, and from visiting the holy places for Christians. This potentially impacts the religious freedom of many Christians around the world, and harms Christians in Israel and Palestine. It could mean that I cannot, as general secretary of the WCC, visit our member churches in Israel and Palestine any more, nor go to the holy sites.”
The WCC – whose 348 member churches represent more than 560 million Christians globally – has encouraged its member churches to consider in their own contexts appropriate non-violent means of opposing the occupation and of working for a just peace in Israel and Palestine according to their own moral principles and teachings. The WCC has a specific and longstanding policy inviting member churches to boycott Israeli settlement products and to re-consider their investments from the same perspective, and many of them have made statements and taken actions accordingly.
“The WCC affirms and supports Israel’s right to exist, categorically rejects violence as a means of resolving the conflict, and has described anti-Semitism as a sin against God” Tveit stressed. “But we, together with the United Nations and the vast majority of the international community, consider Israel’s 50 year-long occupation of the occupied Palestinian territories as illegal. And on this basis the WCC has encouraged boycotting goods from Israeli settlements in the occupied territories, divestment from companies that benefit from the occupation, investment in Palestinian enterprises that can stimulate the local economy, but not a general boycott of or sanctions against Israel.”
“The WCC seeks an equal measure of justice and dignity for all people, with a just peace for Israelis and Palestinians alike,” Tveit continued, “but this legislation represents a form of isolationism that cannot be in Israel’s best interests as a member of the international community, let alone of the people of the region. It is a critical shift in the way Israel relates to the rest of the world. I hope and pray it will not prove to be the government’s actual policy and practice."

Member churches in the Middle East
Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel


Dienstag, 7. März 2017

West-östlicher Divan Iserlohn am 22. März 2017

Einladung


WEST-ÖSTLICHER DIVAN
Baustelle Kulturbrücke 138

Mittwoch
22. März 2017
um 17.00 Uhr

Ev. Erlöserkirche
Iserlohn-Wermingsen

Im Wiesengrund, Ecke Westfalenstr.




So viel du brauchst ...
  
Dies ist das Motto der diesjährigen Fastenaktion
„Sieben Wochen ohne“. 
Es bestimmte schon den Kirchentag in Hamburg 2013
Dieses Wort aus 2. Mose 16,18 fordert dazu heraus, konkret über den eigenen Lebensstil nachzudenken.
Alles was wir kaufen, wegwerfen, im weitesten Sinne benutzen, hat auch mit dem Klima zu tun … Kurzum – unser Handeln hier hat weltweite Auswirkungen. Das gilt z.B. auch für die dramatischen Veränderungen in Afrika mit extremen Dürrekatastrophen, die viele verhungern lassen bzw. zur Flucht antreiben.
              Wir können uns nicht heraushalten …
Lassen Sie uns diese Fragen gemeinsam be-denken !        
Es laden Sie herzlich ein:

Schahla Katebini - Renu Varandani    

Friedrich Petrasch - Reinhard Kirste



Samstag, 4. März 2017

Farid Esack - Dialog der Geichwertigen in der Spannung von Unterdrückung, Armut und Gerechtigkleit (aktualisiert)

Der islamische Theologe Farid Esack (geb. 1959 in Wynberg, Südafrika) gehört zu den Promotoren für ein von Apartheid freies und versöhnend miteinander lebendes multikulturelles Südafrika.
1994-1998 war er Gleichstellungsbeauftragter in der Regierung Mandelas. Inzwischen ist er Professor für Religionswissenschaft an der Universität Johannesburg. Er ist einer der progressivsten Denker und Koranausleger überhaupt. Mit ihm hat sich eine eigenständige befreiungstheologische Lesart des Korans entwickelt. Diese verbindet sich mit einer dialogischen Offenheit für Menschen aller religiösen Traditionen.


Vgl. dazu den Beitrag:
Eine befreiungstheologische islamische Hermeneutik - Farid Esack


Das zeigen weiterhin zwei seiner Bücher, die übrigens bereits im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund (WiSe 2008/2009) vorgestellt wurden und erheblichen Eindruck hinterließen: 


--- Qur’an, Liberation & Pluralism (1997 u.ö.)
--- On Being a Muslim (1999 u.ö.


Bereits 1994 berichtete Esack über seine Befreiungserfahrungen, auch im sich verändernden Südafrika:

Wem sollen wir Zugang zu unseren Wasserstellen gestatten?
Gesellschaftliche, religiöse und politische Dimensionen des Vorurteils

Bei einer Konferenz in Frankfurt/M. (Oktober 2010) zeigten
Hasan Hanafi und Farid Esack
dass Werte und Normen des Islam
nur im Sinne verantwortlichen Menschseins vor Gott verstanden werden können.



Auf einer Tagung des Theologischen Forums Christentum-Islam in Stuttgart zum Thema Armut und Gerechtigkeit (6.-8. März 2015) betonte er besonders, dass es nicht nur darum gehe, angesichts körperlicher und seelischer Not von Menschen Barmherzigkeit zu üben, sondern bewusst den Ursachen solcher Ungerechtigkeit und Unterdrückung nachzugehen, und zwar mit dem Ziel, die skandalösen Ursachen  zu beseitigen.

Die Texte Esacks sind durchweg von klarer Stellungnahme gegen Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Armut geprägt, aber nicht im Sinne abgrenzender Polemik, sondern mit der Zielrichtung versöhnender Aktualität und Dialogbereitschaft. Es ist wichtig, sich dieser Herausforderungen  nicht nur in einem multikulturellen und multireligiösen Südafrika zu erinnern, sondern die jeweils eigene gesellschaftliche Situation unter diesen Gesichtspunkten zu befragen.

Deshalb gilt auch:
Farid Esack - liberaler islamischer Theologe, engagiert für Menschenrechte
 - mehr als nur ein "Israelkritiker" (Qantara.de, 01.03.2017)