Samstag, 28. November 2015

Nicht nur beten für Paris ... (aktualisiert)

Die schrecklichen Attentate in Paris vom 13. November rufen nicht nur unsere Solidarität und unser Mitgefühl mit den Menschen in Frankreich hervor, sondern machen unser Entsetzen vor der unfassbaren Brutalität von Terroristen noch größer. 

Was können wir tun, damit
Liberté    Égalité    Fraternité

die Kräfte des Friedens und
der
Versöhnung nicht in einen Abgrund von Hass hineingezogen werden?
Was bedeutet dieser furchtbare Anschlag für die Religionen? 
Müssen nicht alle religiösen Richtungen ihre Stimme für die Menschlichkeit noch viel deutlicher und durch praktisches Handeln erheben? 
                     Nein gegen die Gewalt - in Gottes Namen!
Im Folgenden sind neben aktuellen Informationen
auch Berichte und Kommentare,
die immer wieder aktualisiert werden:
Symbol des Grafikers Jean Jullien


 

Donnerstag, 26. November 2015

Rita Gross - Buddhistische Brückenbauerin im Horizont von religionspluralistischer Theologie und Feminismus

Die sich seit den 60er Jahren des 20. Jh.s entwickelnde religionspluralistische Theologie richtet ihr Augenmerk auf die mögliche Gleichwertigkeit (nicht Gleichheit!) der Religionen. Das hat zu erheblichen Auseinandersetzungen mit dem Selbstverständnis der christlichen Lehre geführt. Hier sei an prominente Theologen wie Paul F. Knitter, Leonard Swidler, Perry Schmidt-Leukel und Farid Esack erinnert, aber besonders an den Promotor dieser Richtung, den englischen Theologen und Religionsphilosophen John Hick.
Die kürzlich verstorbene buddhistisch-feministische Theologin Rita Gross (06.07.1943 - 11.11.2015) ist leider kaum im deutschen Sprachraum diskutiert worden. Sie lehrte vor ihrer Emeritierung an der Universität von Wisconsin-Eau Claire (USA) und war die Vorsitzende der Abteilung "Women and Religion" der "American Academy of Religion." 
---Ausführlicher Bericht in "The Lions Roar" vom 12.11.2015 
--- Nachruf im European Network of Buddhist Christian Studies

Rita Gross hat im Zusammenhang ihrer komparativen Studien die Bedeutung der Frauenrolle in verschiedenen Religionen ausführlich erforscht. 1977 bekannte sie sich zum (tibetischen) Buddhismus und versuchte als "Senior Teacher" die dialogische Offenheit auch in ihrer spirituellen Praxis und in Frauen gerechter Sprache zum Ausdruck zu bringen.
Davon zeugen auch ihre zahlreichen Veröffentlichungen.
Hier seien nur genannt:



Montag, 23. November 2015

Feste im Sikhismus ----- 25. November 2015: Geburt von Guru Nanak


Cover des Sokhismus-Buches von 2008



Die Feste im Einzelnen
Geburtstag des Guru Nanak  - Gurpurab Nanak
Da in der Sikh-Religion die Geburtstag der "Gründerväter" und Promotoren des Sikhismus gefeiert werden, muss man sich zuerst zur Person und Lehre von Guru Nanak einiges vergegenwärtigen, um sein Geburtstagsfest richtig in die Reihe der Feste einzubeziehen:
--- Englische Sikh-Seite: Guru Nanak
--- Geburtstag von Guru Nanak am 25.11. 2015 (nach dem Mondkalender)

Geburtstag des Guru Govind - Gurpurab Gobind
Guru Gobind Songh (auch Govind) ist neben Guru Nanak der wichtigste, aber auch letzte (= 10.) "lebendige Guru" (1666-1708). Sein Geburtstag wird so aufwändig wie der von Guru Nanak gefeiert. Im Jahre 2015 ist Gurpurab Gobind am 5. Februar:
Thaia-Indien-Webseite: Guru Gobind
Mehr zu Guru Govind / Gobind: Wikipedia deutsch: Gobind

Geburtstag des Guru Angad Dev - Gurpurab Angad
Guru Angad Dev gehört als zweiter Guru zu den 10 Gründergestalten des Sikhismus
Seib Geburtstag wird am 18. April begangen.
Weiteres zu Guru Angad Dev: hier


Baisakhi / Vaisakhi - Neujahrsfeier
Bei Vaisakhi handelt es sich ursprünglich um ein Erntefest im Punjab (Südwesten des indischen Subkontinents). Als Beginn des neuen Jahres erinnert es zugleich an die Gründung des Khalsa-Ordens, sozusagen der "getauften Sikhs". Der anfänglich militärische Orden entwickelte sich mehr und mehr zu einer Organisation, die die Gleichheit aller Menschen betont.


Sikh Wiki: Miri Piri - Feier der materiellen und spirituellen Aspekte des Lebens, symbolisiert im Symbol der zwei Schwerter.

Divali - Lichterfest - ähnlich wie im Hinduismus



Samstag, 14. November 2015

Ehrengast Indonesien auf der Frankfurter Buchmesse 2015 In die Vielfalt von Kulturen eintauchen (aktualisiert)

Lichtsäulen im Pavillon

Das Land der 17.000 Inseln bot während der Frankfurter Buchmesse 2015 informative, politische und meditativ-kulturelle Einblicke.  Der Pavillon des asiatischen Ehrengastes nahm die Besucher mit auf eine Reise in die Literatur, die Geografie, die Natur und die Religionen Indonesiens.
Vgl. Gastländer der Buchmesse seit 1976
Angesprochen wurden alle Sinne: Das Sehen einer anmutigen Farbenpracht und das Entdecken einer reichen Literaturszene, das Hören fremder Klänge, das Riechen und Tasten an den Gewürztischen oder beim Verkosten besonderer Speisen und Getränke - und das alles in einer Atmosphäre anmutiger Gastfreundschaft. Indonesien mit seinen fast 253 Millionen Einwohnern ist zugleich das Land mit den weltweit meisten Einwohnern islamischen Glaubens, versteht sich jedoch nicht als ein islamisches Land!


Weil sich die indonesischen Islam-Strömungen
überwiegend dialogoffen und eher liberal verstehen,

genießen auch die Minderheitenreligionen
Statistik der Religionen
Islam,  Hinduismus, Buddhismus, Christentum getrennt nach Katholizismus, Protestantismus und Konfuzianismus im Sinne der Staatsdoktrin Pancasila zumindest formal völlige Religionsfreiheit. Es handelt sich um fünf Grundlegungen für eine staatliche Harmonie:
 
1. Das Prinzip der All-Einen Göttlichen Herrschaft
2. Humanismus und internationale Gesinnung
3. Das Festhalten an der nationalen Einheit 
4. Die Demokratie als politische Basis
5. Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit

Die Realität sieht allerdings auch angesichts zunehmender Fundamentalisierungen im Islam oft anders aus. Zugleich muss bedacht werden, dass Indonesien als Vielvölkerstaat ein Schmelztiegel vieler Kulturen ist. Hinzu kommen wirtschaftliche Interessen - etwa auch die Ausbeutung der Bodenschätze und der Abholzung des Regenwaldes, besonders in West-Papua. 


Diskussion: Auf der richtigen Spur?
Bürgerfreiheiten und Demokratie in Indonesien
Die Religionen sind darum nur ein Faktor in einer komplizierten gesellschaftlichen Gemengelage.

Insgesamt ist Indonesiens Geschichte von der niederländischen Kolonial-herrschaft über die Unabhängkeit bis hin zu den gegenwärtigen Auseinandersetzungen um Demokratie und Pressefreiheit auch von vielen dunklen Flecken geprägt.

Es bedarf noch mancher Arbeit, um die Massaker und Gewaltausbrüche seit den 60er Jahren des vorigen  Jahrhunderts aufzuklären und sich gegen islamistische Gewalt zur Wehr zu setzen. Die offenen Diskussionen und Foren mit Schriftstellern und Menschenrechtsaktivisten boten für eine solche Aufarbeitung einen ermutigenden weiteren Schritt.
So bleibt insgesamt ein hoffnungsvolles Bild dieses Landes im Indischen Ozean. Vielleicht ist mancher motiviert, in den facettenreichen Inselstaat zu reisen! Eine der großen Überschriften am Eingang des Pavillons ließ bereits Johann Wolfgang von Goethe zu Worte kommen:     Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen. 
(aus den "Noten und Abgrenzungen zu besserem Verständnis des westöstlichen Divans")
Dieses Wort bewahrheitete sich durch die Begegnung Indonesiens in Frankfurt und besonders beim Eintauchen in die wirklich zauberhafte Atmosphäre im Pavillon des asiatischen Ehrengastes.
Am letzten Tag der Buchmesse fand dort auch die Übergabe der "Gastrolle"
zur Buchmesse 2016 statt.

Bericht in hr-online: hier
Ehrengäste:
Gastrollen-Übergabe von Indonesien 2015
an Flandern & Die Niederlande 2016

Melancholie und große Dankbarkeit über die gelungene Präsentation schwangen mit beim Abschied von Indonesien, aber auch Freude über den neuen Ehrengast:   Flandern & Die Niederlande.

 
Ältere Journal-Berichte über Indonesien 

Literaturhinweise zum Verständnis
religiöser Pluralität und Harmonie in Indonesien 

  • SCHOTT, Christina: Indonesien. Ein Länderporträt. Schriftenreihe, Bd. 1635
    Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) 2015, 220 S., Abb.
    --- Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: hier
  • MINISTRY OF RELIGIOUS AFFAIRS REPUBLIC INDONESIA (ed.):
    Compilation of Rules and Regulations on Religious Harmony.
    Jakarta: Center for Research and Development of Religious Life 2011, XVIII, 314 p.
  • ASRY, M. Yusuf (ed.): Community Build Harmony. Conflict Resolution and peace Building in Ethnoreligious Indonesia.
    Jakarta: Center for Research and Development of Religious Life 2013, LII, 209 p.
  • HAYAT, Bahrul: Managing Religious Plurality.
    Jakarta: Center for Research and Development of Religious Life 2012, X, 244 p.
  • ! R. Michael Feener / David Kloos / Annemarie Samuels (eds.):
    Islam and the Limits of State. Reconfiguration of Practice, Community and Authority
    in Contemporary Aceh
    . Leiden (NL): Brill 2015, XX, 249 pp, 1 illus, 1 map
    .

Bilder aus dem Indonesien-Pavillon


Lichtbuch -Leuchtzeichen im Pavillon



Palmblatt-Manuskript
Gita Sinansaya, 17. Jh.












Zwei Astrologische Kalender 
1. Kürbis mit Batak-Schriftzeichen
2. Batak-Bambus-Kalender
Gewürz-Paradies

 
Darbietung traditioneller Musik
Tänzerinnen in originaler Tracht






 
Indonesisches Schattenspiel
--- Bali - Java - Lombok ---








Mittwoch, 11. November 2015

Religions for Peace (RfP): Interreligiöse Begegnung und Friedensarbeit - 28.10.-01.11.2015



Samia SMAHI
 Au delà des frontières



“Welcoming each other in Europe: From Fear to Trust”
„Einander willkommen heißen in Europa: von Furcht zum Vertrauen“
Die Europäische Versammlung von Religions for Peace 28.10.– 01.11.2015
in Castel Gandolfo, Italien – Erfahrungen und Empfehlungen



Bericht von Prof. Dr. Johannes Lähnemann

Das Thema, zu dem ca. 300 Delegierte, Gäste und Beobachter aus vielen europäischen Ländern zusammenkamen, erwies sich als brennend aktuell:
Angesichts der gegenwärtigen Spannungen breitet sich europaweit Furcht aus. Antisemitismus, Islamophobie und die hereinströmenden Flüchtlingswellen lösen Ängste auf vielen Seiten aus.
Die Versammlung erwies sich in dieser Situation als vielfältige „Erfahrungsbörse“. Sie war wie ein Forum, ein “spiritueller Marktplatz”, zu dem die Menschen zusammen gekommen sind, um ihre Ideen, ihre Sorgen und ihre Wünsche zu artikulieren.  
Schon in der Eröffnung mit dem irischen OSCE-Botschafter Philip McDonagh wurde deutlich, dass auf politischer Ebene die Einsicht gewachsen ist, wie sehr unsere Demokratien gerade auch die Mitwirkung der Religionsgemeinschaften in den Spannungsfeldern brauchen.      
Dabei wurde deutlich: Der notwendige Dialog darf sich nicht auf die intellektuelle Ebene beschränken, es muss ein Dialog “von Kopf bis Fuß”, gerade auch mit den Herzen – also der emotionalen Zuwendung – sein. Er umfasst die Problemanalyse ebenso wie die konkrete Aktion – das „Hingehen“ zum Anderen. Begegnungsprojekte gehören ebenso dazu wie die Initiativen im Bereich des Sports, in der Kunst und in der Musik.
An einer Vielzahl von Beispielen wurde das demonstriert – gerade auch an Projekten der Arbeit mit Flüchtlingen und anderen benachteiligten Gruppen in unserer Gesellschaft. 

Folgende Aufgaben wurden als dringlich herausgestellt:
1)     Die Arbeit in den Religionsgemeinschaften selbst, dem Extremismus, Fundamentalismus und dem Missbrauch der Heiligen Schriften und ihrer Auslegung entgegenzutreten.
2)     An einer Willkommenskultur zu arbeiten im Gegenüber zu denen, die Furcht verbreiten, und die Ermutigung für die Politiker, zu den gemeinsamen, an den Menschenrechten orientierten Grundwerten der Demokratien zu stehen.
3)     Der Aufbau von Vertrauen durch persönliche Begegnung und durch Koalitionen mit den anderen gesellschaftlichen Gruppen auf der europäischen, der nationalen und der lokalen Ebene.
4)     Die Ermutigung der Jugend in ihren Anstrengungen, sich Vorurteilen entgegenzustellen, aber auch mit den Jugendlichen Wege zur Vertrauensbildung aus ihrem Engagement und aus ihren positiven Visionen, die sie bei dieser Konferenz gezeigt haben, zu entdecken.
5)     Die spirituellen Schätze unserer religiösen Traditionen zu nutzen, um aus ihnen Kraft und Zuversicht für unsere Gesellschaft zu gewinnen.
6)     Uns selbst in die notwendigen Bildungs- und Lernprozesse einzubringen.
7)     Neue Fantasie zu entwickeln, um alle zu stärken, die in den Spannungsfeldern arbeiten.

Die Teilnehmenden der Konferenz hat die gemeinsame Überzeugung verbunden: Niemand kann den Frieden allein schaffen. Aber jeder und jede kann einen Beitrag zum Frieden leisten!




    Archiv/Lähnemann-RfP-Castel-Gandolfo, 11.11.2015