Mittwoch, 27. Februar 2013

Zum Tod von Stéphane Hessel - Vorkämpfer für eine bessere Welt


Am 26. Februar 2013 starb der KZ-Überlebende, Widerstandskämpfer, Diplomat, Kämpfer gegen den Neoliberlismus und für eine friedliche Gesellschaft:  und friedensengagierte Stéphane Hessel
Die SZ vom 27.02.2013 berichtet.
 Im Jahre 2010 hatte er mit seinem Essay “Empört Euch!” in Frankreich eine machtvolle Diskussion entfacht, weil er mit intellektueller Schärfe den Verrat von demokratisch-freiheitlichen Grundwerten und die gesellschaftliche Ausgrenzung einzelner Gruppen als zunehmend skandalös empfand.
Stéphane Hessel: Empört Euch!
Aus dem Französischen von Michael Kogon.
Berlin: Ullstein 2011, 2. Aufl.
— Rezension hier —


Man sagte zu Stéphane Hessel: “Empörung reicht nicht, wo bleibt das Engagement?” Der Mitverfasser der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte” von 1948 legte nach. Im März 2011 erschien in Frankreich: “Engagez-vous!” --- Deutsche Ausgabe (Juli 2011): Engagiert Euch! 
Rezension in der Berliner Zeitung  vom 17.03.2011

Im Frühjahr 2012 traf Stéphane Hessel mit dem Dalai Lama zusammen.
In der Veröffentlichung lässt sich nachlesen, wie intensiv die beiden über die Notwendigkeit des friedlichen Zusammenlebens gesprochen haben. In einer "Kartografie des Geistes" entsteht, wie das menschliche Bewusstsein voranschreiten kann und sich dadurch gleichermaßen säkular und religiös der Frieden voranbringen lässt:
Declarons la paix! Wir erklären den Frieden!


Dalai-Lama XIV. / Stéphane Hessel: Déclarons la paix!  Pour un progrès de l'esprit.
Barcelone: Indigène 2012, 46 S.
Deutsche Ausgabe: Wir erklären den Frieden
Aus dem  Französ. v. Patricia Klobusiczky. Berlin: Ullstein 2012, 70 S.

Sein letztes Buch ist eine biografische Rückschau: Spannende Lebensgschichten, Anekdotisches und Grundsätzliches verbinden sich zu einem ernsten und doch heiteren Appell, Verantwortung für die nachwachsenden Generationen heute zu übernehmen:

Stéphane Hessel: Empörung - meine Bilanz
München: Pattloch 2012, 340 S.


Montag, 25. Februar 2013

Pico della Mirandola - Vorläufer interreligiöser Versöhnung

Am 24. Februar 1463, also vor 550 Jahren, wurde in Mirandola (Emilia Romagna) eine große philosophische Persönlichkeit geboren:  
Giovanni Pico (Conte) della Mirandola. 

Er gehört wie Ramon Llull (1232-1316) und Nikolaus von Kues (1401-1464) zu den Vorreitern und ersten Brückenbauern des interreligiösen Dialogs.
 Nicht nur mit seinem durch die humanistische Renaissance geprägten offenen Geist machte er von sich reden, sondern auch bereits in seiner Jugend mit persönlichem Geschick sowie dem Reichtum seines Elternhauses. Er wollte  die Vordenker seiner Zeit mit Papst und Kardinälen zusammenbringen. Für diese europäische Konferenz hatte er entsprechende philosophische Thesen verfasst. Sein Ziel war, nachzuweisen, dass im Christentum letztlich alle wesentlichen Heilsgedanken schon enthalten sind, so dass es von dort aus möglich ist, sich mit allen anderen Religionen zu verständigen, da diese ja Ähnliches propagierten. Dies wäre eine große Chance, den Weltfrieden zu erreichen.
Die geplante Konferenz in Rom wurde jedoch auf Betreiben von Papst Innozenz VIII. verhindert und stattdessen Pico der Ketzerei verdächtigt. Deshalb floh er nach Frankreich. Bei seiner Rückkehr nach Florenz im Jahre 1494 starb er sehr plötzlich mit 31 Jahren. Vermutlich hat man ihn vergiftet ...


Weitere Brückenbauer des interreligiösen Dialogs: hier



Montag, 18. Februar 2013

Die biblische Bundeslade mit den Tafeln der 10 Gebote in Äthiopien?

Äthiopisches Kreuz
Die Bundeslade mit den beiden steinernen Tafeln der 10 Gebote spielt bei der Sesshaftwerdung Israels um 1000 v.Chr. eine große Rolle.  Die Bibel erzählt, dass Mose die Gebotstafeln am Berg Sinai erhielt. Diese Tafeln wurden dann in einem großen Kasten aufbewahrt und kamen schließlich mit der Einwanderung  der Israeliten nach Jerusalem. Dort fand die Lade im Tempel Salomas eine würdigen Platz.
Aber irgendwann hört man und sieht man nichts mehr von ihr ...
Ob Sie bei der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar im Jahre 587 v. Chr. zerstört oder als Kriegsbeute abtransportiert wurde?

In der hebräischen Bibel, dem Alten Testament, finden sich eine Reihe von Stellen über die Bedeutung und Heiligkeit der Bundeslade: 
vgl.  2. Mose 25, 10-26,33 /  4. Mose 10,33 / Josua 3 und 4 /  1. Samuel 4 und 6 / 2. Samuel 6 / 1. Könige 3,1-20.

Angesichts des rätselhaften Verschwindens der Lade haben sich viele Theorien entwickelt. Und die Tempelritter sollen sie in gefunden haben ...
Aber besonders faszinierend und Grundstock der äthiopischen Christenglaubens ist die Meinung, die Lade sei nach Afrika gekommen. In der ehemaligen Hauptstadt Äthiopiens, nämlich in Axum, im Norden des Landes, wird  der "heilige Kasten" nach der Tradition der äthiopischen (koptischen) Kirche bis heute aufbewahrt.

Im Juni 2009 bestätigte Patriarch Pauolos, die höchste Autorität der äthiopischen (koptischen) Kirche, gegenüber Papst Benedikt XVI. den Verbleib an diesem heiligen Ort.

In der Folge 60 von TERRA X wurde eine Dokumentation über die Suche nach der verschollenen Bundeslade veröffentlicht. Der Film bei YouTube am 07.03.2012: hier

Dass übrigens auch ein Teil der Esoterik-Szene den erwarteten Weltuntergang am 21.12.2012 mit dem Maya-Kalender in Verbindung brachte, wundert angesichts der vielfältigen Spekulationen wohl kaum.
Vgl. die Zusammenstellung in DIE WELT online, 03.01.2013


Dienstag, 12. Februar 2013

Leonard Swidler: Offener Brief an Benedikt XVI.

Anlässlich der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. hat der katholische Theologieprofessor Leonard Swidler (geb. 1929) von der Temple-University in Philadelphia (USA) und ehemaliger Kollege von Joseph Ratzinger an der Universität Tübingen folgenden offenen Brief geschrieben. Dieses Schreiben ist ein nachdenkliches machendes Dokumnent im Blick auf die Zukunft der (nicht nur katholischen) Kirche.

Professor Josef Ratzinger
Pope Benedict XVI                                                  12-02-2012

Dear Josef,
Besides personal communications, I have written you two open letters since we were colleagues on the Catholic Theology Faculty of the University of Tubingen, Germany.
I am writing you once again openly, this time not to pose an objection to an action of yours. Rather, I am writing this time to congratulate you upon the bravest and wisest act of your life: Your decision to resign from the papacy because of failing health for the good of the Church!
As a fellow academic who almost matches you in age, I wish you many good years of quiet reflection, scholarship, and writing after February 28, 2013.
But, before you go into that grey world of quietude, I urge you to take one more brave stand for the good of the Church, and the world at large. As the cardinals, and, indeed, the whole world, gather at your feet at the end of this month, I hope that you will send them into the Consistory to elect your successor with a visionary commission – this time not as Dean of the College of Cardinals as you did eight years ago, but this time as reigning/resigning pope.
In your vision I hope you will portray a Catholic Church which is also catholic with a small as well as a capital “C,” that is, a Catholic Church that not only holds to the best of its Catholic tradition, but also opens itself out to the entire kat’holos, the “whole” world. I and many, many other Catholics believe that vision must be of a Church that welcomes and strives to help the “outsiders” of society, as modeled by our “Outsider” Founder Rabbi Yeshua ha Notzri, Jesus of Nazareth.
Who are these outsiders? First of all, that majority: Women! You have written books about Jesus, and so you doubtless know that Jesus Was a Feminist! I am sure that you have not had time to read my 2007 book of that title, but you know the facts that, if we never had the testimony about Jesus’ life passed on to us by his women followers and promoted by the rest of the women named in the New Testament, we would have no Christianity today! The Catholic Church needs to follow the example of our Founder and bring women fully into the life of our Church.
Jesus also gave us a model of how to care for and protect another great outsider group – children. The Church’s shameful sacrificing of these “little ones” must not only cease, but its new, cleansed reality must lead the way in a world which is full of the oppression of children, which doubtless has been happening since Cain and Able.
Then there are the poor of all sorts in all societies. Here, fortunately, the Catholic Church has a more than century old tradition of preaching and acting in favor of the poor, marginalized. But it must make this tradition much more effective among its members, especially those who have leadership roles in government and business. For example, not all American Catholics put the principles of Catholic social justice into political and business practice!
That means that the Church leadership must cease it obsession with sex! It must stop oppressing homosexuals, recognize that Jesus did allow for divorce and remarriage, cease forcing the priesthood into the straightjacket of celibacy and maleness. Stop denigrating the body, but stress the beauty of all matter as created by God, which at the end of each day of creation was said in Genesis to be tov, good, and even mod tov, very good!

So Josef, this should be the greatest sermon of your life. Give it your best shot!
Vergelts Gott!
Len

Leonard Swidler, Ph.D., S.T.L., LL.D., LL.D., Web: astro.temple.edu/~swidler
Prof Catholic Thought & Interreligious Dialogue dialogue@temple.edu
Editor Journal Ecumenical Studies; Pres. Dialogue Institute jesdialogue.org
Tel: 215-204-7251 (O) 215-477-1080 (H) 513-508-1935 (M) skype: leonardswidler
Center for Global Ethics: globalethic.org; 
Blog http://lenswidlersblog.jesdialogue.org/
Rel. Dept. Temple U. Philadelphia, PA 19122 temple.edu/religion
Co-founder, Assoc. Rights of Catholics in Church arcc-catholic-rights.net
Swidler Books astro.temple.edu/~swidler; Facebook.com/dialogueinstitute
Deep-Dialogue/Critical-Thinking Online Course astro.temple.edu/~swidler/
Scottish Parliament Lecture: youtube.com/watch?v=Nu4ssQHRLP0


Montag, 11. Februar 2013

Trialog der Kulturen - Schulenwettbewerb 2013 /2014

Die Herbert Quandt-Stiftung  (Bad Homburg)
fördert mit ihrem Schulenwettbewerb
"Trialog der Kulturen"
seit mehreren Jahren das interreligiöse Verstehen und die aktive Toleranz junger Menschen. Die in Deutschland faktisch gelebte Vielfalt wird hier für Schulen aller Schularten aufgegriffen. Dieser Schulenwettbewerb ist nämlich von der Intention getragen, das Verständnis zwischen Judentum, Christentum und Islam zu verbessern sowie die Integration und interkulturelle Kompetenz bei SchülerInnen und LehrerInnen zu erweitern.

Das Motto für 2013 / 2014 lautet:

Wurzeln erinnern - Zukunft gestalten. 
Sprachen, Kulturen, Religionen in Deutschland

Eingeladen sind alle Schulen der fünften Klassen aus Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Hamburg und Bremen, sich mit entsprechenden Projekten diesem Schwerpunkt zu widmen. Maximal 25 Schulen aus diesen fünf Bundesländern können sich qualifizieren und erhalten nach erfolgreicher Auswahl jeweils ein Startgelt von 3.500 €. Am Ende der Projektphase winken beachtliche Weiterförderungspreise.
Die Bewerbung der einzelnen Schule muss bis zum 30. April 2013 erfolgen.
Weitere Details: hier

Vgl. den Bericht mit den Schul-Siegern der 8. Runde vom September 2012


Mittwoch, 6. Februar 2013

Parinirvana - Verlöschen des Buddha und tibetisches Neujahrsfest

Im Mahayana-Buddhismus erinnert man sich besonders an das Sterben des historischen Buddhas und sein Eingehen ins Nirvana. Buddha hat den irdischen Kreislauf verlassen, das heißt, es folgt keine Reinkarnation mehr. Diese Endgültigkeit des Verlöschens wird Parinirvana genannt und bedeutet, dass der Zustand des "reinen Seins" erreicht ist.
Dieser Tag fällt 2013 für viele buddhistische Gruppen auf den 8. oder 15. Februar.

Weitere Erläuterungen
zum Eingehen des Buddha ins Nirvana: hier

Übrigens folgt relativ kurzfristig das bedeutende tibetisch-buddhistische Neujahrfest Losar aus der Vajrajana-Tradition am 11. Februar 2012