Donnerstag, 31. Januar 2013

Tissa Balasuriya (1924-2013) - Engagement für Menschenrechte und religiöse Aussöhnung

In Deutschland ist er nur wenigen bekannt, der katholische Priester und engagierte dialogorientierte Theologe Tissa Balasuriya, OMI (Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria) aus Sri Lanka. Er starb nach langer Krankheit am 16. Januar 2013 mit 89 Jahren.
Bericht im Colombo Telegraph vom 17.01.2013
Er begann seine Laufbahn als Ökonom und wurde 1953 zum Priester geweiht. Er gründete neben seiner Arbeit an vielen anderen Projekten u.a. das Centre for Religion and Society in Colombo und mit anderen Kollegen die  Internationale Theologische Kommission von EATWOT (Association of Third World Theologians). In seinem Interesse lag es, die Verbindungen zu anderen Religionen zu stärken und dafür auch in der christlichen Theologie die Voraussetzungen zu verbessern. So wurde er zum Pionier  theologischer, sozial engagierter und feministischer Gruppen in Asien, die ihre religiöse Verantwortung mit intensivem politischem Engagement und für gerechte gesellschaftliche Verhältnisse verbinden. Man darf wohl sagen, dass er eine Art asiatischer Befreiungstheologie entwickelte. Dies und seine Forderung, Frauen als Priester in der katholischen Kirche zuzulassen, brachte ihn in Konflikt mit dem Vatikan und führte 1997 zu seiner Exkommunikation.
Die vatikanische Verurteilung konterte Balasuriya mit der öffentlichkeitswirksamen Herausforderung, doch nachzuweisen, wo er sich theologisch geirrt hätte.
Die Solidarität mit Balasuriya nahm sehr schnell internationale Ausmaße an. Eine Gruppe von Theologen seines Ordens versuchte angesichts dieses Streits zu vermitteln. Schließlich gelang es bereits 1998, die Exkommunikation aufzuheben. Es dürfte die einzige Exkommunikation sein, die in kurzer Zeit wieder aufgehoben wurde.

Angesichts seines Todes hat der bekannte kirchenkritische Theologe Juan José Tamayo aus Madrid einen bemerkenswerten Nachruf verfasst: Muere en paz un teólogo indio que desobedeció al papa (ATRIO, 30.01.2013) - In Frieden starb ein indischer Theologe, der dem Papst nicht gehorchte.

Weitere Brückenbauer des interreligiösen Dialogs: hier



Freitag, 25. Januar 2013

Annemarie Schimmel - zum 10. Todestag

Grabplatte Annemarie Schimmel

Sie gehört zu den ganz großen Orientforschern und interreligiösen Brückenbauern des 20. Jahrhunderts:
Annemarie Schimmel,
geb. 7. April 1922 in Erfurt,
gestorben 26. Januar 2003 in Bonn.

Ihr Leben war von wissenschaftlicher Forschung und persönlichem Engagement geprägt. Sie wollte Orient und Okzident wieder dichter aneinander rücken. Die islamische Mystik und Poesie vom Mittelmeer bis nach Indien standen dabei im Zentrum ihrer Arbeit.

Ihre Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1995 war ein Plädoyer, die gemeinsamen Werte der Religionen bekannter zu machen.

Ihr weltweit geschätztes Werk - so die internationale einhellige Meinung - ist von Sachlichkeit, Scharfsinnigkeit und Empathie gleichermaßen geprägt.
Qantara.de hat darum einen kleinen Essay des Orientalisten Stephan Wild veröffentlicht: hier

Mehr über Annemarie Schimmel auch bei: Brückenbauer des interreligiösen Dialogs

Weitere Brückenbauer: hier

Donnerstag, 10. Januar 2013

Qumran digital

Die Entdeckung der Schriftrollen in den Höhlen am Rande des Toten Meeres in den Jahren 1947-1956 hat nicht nur wichtige Erkenntnisse für die Bibelwissenschaft gebracht, sondern auch bisher nicht bekannte Einzelheiten über religiöse Bewegungen zur Zeit Jesu. Es handelt sich neben Bibeltexten und Kommentaren zu biblischen Büchern um Regeln, Gebete und Handlungsanweisungen:
  • Die große Jesaja-Rolle
  • Die Kriegsrolle
  • Kommentar zum Propheten Habakuk
  • Die Tempelrolle
  • Die Gemeinschaftsrolle und der "Lehrer der Gerechtigkeit".

Die mit diesen Texten zuerst in Verbindung gebrachte Gemeinschaft der Essener als einer Art Klostergemeinschaft hat viele weitere Spekulationen hervorgebracht, die allerdings den archäologischen Funden wie literarischen Befunden nicht standhalten.
Spannend ist besonders, dass eine Reihe von Texten eine gewisse Nähe zur Jesusverkündigung zeigen, besonders was den sog. Lehrer der Gerechtigkeit im Kontext der Qumranfunde angeht.

Dank des großen öffentlichen Interesses weltweit muss man nicht mehr unbedingt nach Jerusalem fahren, um im Israel-Museum die Originale zu bestaunen, sie lassen sich dank des Engagements vieler Fachleute und Sponsoren nun auch in guter Qualität am heimischen PC anschauen:
The Dead Sea Scrolls.

Materialzusammenstellung zu Qumran bei rpi-virtuell

Informative Bildbände:
  • Adolfo Rotman (ed.): A Day at Qumran. The Dead Sea Sect and Its Scrolls. Jerusalem: The Israel Museum 1998, 2. Aufl. (englisch und hebräisch)
  • Stiftsbibliothek St. Gallen (Hg.): Qumran - Die Schriftrollen vom Toten Meer. Übersetzung: Andrea Halftel. Ausstellung 7. Mai - 8. August 1999. Stiftsbezirk St. Gallen: Verlag im Klosterhof 1999




Donnerstag, 3. Januar 2013

Gedenkgottesdienst für Fritz Roth - das LEBEN ökumenisch feiern

Eine solche Trauerfeier hat leider noch Seltenheitswert: Der am 13. Dezember mit 63 Jahren verstorbene Fritz Roth gehörte zu den mutigen Reformern der Bestattungs- und Trauerkultur.
Vgl. Bericht im Dialog Journal vom 19.12.2012
Der ökumenische Gedenkgottesdienst im großen
Altenberger Dom,
einer Simultankirche, brachte dies noch einmal  zum Ausdruck. Etwa 2500 Menschen waren gekommen, um von Fritz Roth Abschied zu nehmen: Sein Sarg in gelacktem Rot, ein großes Rosenherz und viele Kerzen stimmten auf den Gottesdienst ein. Weihnachts- und Loblieder sowie CD-Einspielungen bildeten den musikalischen Rahmen: Gegen Schluss sang Purple Schulz noch ein ganz persönliches Lied:
Es bleibt nichts - nichts wie es ist - selbst der Boden kann sich dreh'n.
Auf den Grund stell deine Füße, und siehst du, du kannst hier steh'n.

Durch die Liturgie geleiteten der Kreisdechant (kath) und der Superintendent (ev.), der auch die Predigt hielt - was für eine Predigt! Es war frohe Weihnachtsverkündigung und zugleich liebevolle, heitere Erinnerung an den Freund. Es gab spontanen Beifall! - allerdings nicht nur an dieser Stelle, denn nach dem Segen legte der Kabarettist Rainer Pause nach. Auch der Freund Wolfgang Bosbach, ein bekannter CDU-Politiker, machte mit seinen Freundeserfahrungen das Leben von Fritz Roth anekdotisch fröhlich und zugleich nachdenklich lebendig. Insgesamt: Es war ein Trauer-Lebens-Fest ganz nach dem Geschmack dessen, der da im Sarg lag.
Jeder konnte dann am Sarg eine Kerze für Fritz Roth entzünden.
Die Gäste durften am Ausgang noch eine CD mitnehmen, die eines der letzten Gespräche mit Fritz Roth  in Deutschlandradio Kultur vom 17.11.2012 wiedergibt
- auch als Podcast zu hören. 

Der Lichtkünstler Leo Lebendig hat ein "In Memoriam" für Fritz Roth gestaltet.

Ein Bericht auch im Kölner Stadtanzeiger online vom 30.12.2012

Bericht in der Bergischen Landeszeitung (Kölner Rundschau) vom 31.12.2012 

Lokalradio Berg:
Bildergalerie und Kondolenzbuch mit Eintragungsmöglichkeit: hier 

Fritz Roth: Berichte und Interviews in Presse, Rundfunk, Fernsehen